Interview Yannik mit der Lahrer Zeitung

16. Februar 2016  Interview

Mein Name ist Yannik Hinzmann, ich bin 22 Jahre alt (28.06.1993 in Gengenbach geboren), gelernter Industriekaufmann, wohne derzeit in Haslach im Kinzigtal und bin ledig.

Zur Partei die Linke kam ich 2011 durch meinen Onkel und meiner Großmutter, die mich beide stark politisiert haben. Richtig aktiv wurde ich aber erst nach meiner Kuba Reise im Jahr 2012.

2014 trat ich dann das Amt als Landesgeschäftsführer der LinksjugendSolid Baden-Württemberg an. Im September/Oktober 2014 war ich zusammen mit einer Delegation der YXK (Kurdischer Studentenverband) unterwegs im Irak und an der türkisch-syrischen Grenze, um dort die Situation zu dokumentieren und in Flüchtlingscamps Hilfe zu leisten.

Ich mache Politik, weil ich den Menschen, um uns herum zeigen will, dass wir nur gemeinsam etwas erreichen können, dass wir Solidarität jenseits von Grenzen lernen sollten, wenn wir eine Gesellschaft haben wollen, in der der Reichtum gleich verteilt, die Beteiligung Basisdemokratisch abläuft und Mensch, sowie die Umwelt nicht mehr hemmungslos ausgebeutet werden. Ich bin überzeugt davon, dass solch eine bessere und gerechtere Welt möglich ist. Dafür muss aber mit dieser Profitlogik des aktuellen Systems gebrochen werden.

– Was muss getan werden, dass Planung und Ausbau der Rheintalbahn und der sechsspurigen Autobahn im Sinne einer breiten Bevölkerungsmehrheit verlaufen?

  1. Generell sollten die Bürger und Bürgerinnen von Anfang an in den Planungsprozess mit eingebunden werden. Die Politik muss von Anfang an aber mit offenen Karten spielen, das soll heißen, dass nicht wie bei Stuttgart 21 mit falschen Kalkulationen gearbeitet wird, die jenseits der Realität liegen. Der Ausbau der Autobahn sollte aber in dem Sinne geprüft werden, ob ein verbesserter ÖPNV nicht effektiver wäre. Ebenfalls kommt eine Privatisierung oder ein PPP-Projekt wie beim Streckenabschnitt Offenburg/Baden-Baden für uns nicht in Frage.

     

    – Was sehen Sie als wichtigste Voraussetzung an dafür, dass der Breitband-Ausbau auch schnell die ländlichen Regionen in der Ortenau erreicht?

  2. Da sich der Ausbau der Breitbandanschlüsse oftmals im ländlichen Bereich für private Firmen nicht lohnt, sollte der Staat einspringen und hier eine flächendeckende Versorgung garantieren. Allen Menschen sollte das Recht gewährt werden, gleichermaßen Zugang zu Kultur und Informationen zu haben. Deshalb dürfen die ländlichen Gebiete nicht noch mehr unter dem regionalen Wettbewerb zwischen Stadt und Land leiden.

     

    – Wie kann die Integration der vielen Flüchtlinge in der Ortenau gelingen und wie viele können hier noch aufgenommen werden?

  3. Ich selber bin auch in der Flüchtlingsarbeit tätig und stelle mir eher ganz andere Fragen. Anstatt zu fragen, wie viele wir hier noch aufnehmen können, frage ich mich, ob man nicht endlich die Verursacher oder die Profiteure der Krise zur Verantwortung ziehen sollte. Auch hier in der Ortenau haben wir nämlich mehrere Firmen, die von Kriegen profitieren. Bebusch in Haslach und Doll Fahrzeugbau in Oppenau sind nur zwei von ihnen.

    Auch halte ich das Wort Integration für ein suboptimales Wort. Mir gefällt das Wort Emanzipation viel besser, denn ich will den Menschen nicht die deutsche Kultur (was soll das überhaupt sein?) aufdrängen. Ich sehe das immer so, dass ich von den Menschen etwas lernen kann und sie vielleicht von mir. Damit aber Sprachbarrieren und co. schneller abgebaut werden können, muss auch die Bürokratie verringert und die Ehrenamtlichen massiv entlastet werden. Wer einmal als Ehrenamtliche/r aktiv war, der oder die weiß, dass auf den Migrationsämtern sehr oft Chaos vorherrscht.

    Die geflüchteten Menschen müssen schnellstens aus den Massenunterkünften in Wohnungen untergebracht werden, um einmal eine Ghettoisierung zu verhindern, aber auch um die gesundheitliche Situation (psychische wie auch körperliche) der Geflüchteten zu verbessern.

    Hierzu muss der soziale Wohnungsbau stark ausgebaut und leerstehende Wohnungen (allein in Offenburg gibt es 800 davon) der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden. Hiervon könnten dann auch nicht nur Flüchtlinge profitieren.

     

    – Für welche Belange in der Ortenau wollen Sie sich besonders einsetzen und wie wollen Sie Ihre Ziele erreichen?

  4. Ich werde mich vor allem dafür einsetzen, dass günstiger Wohnraum für alle geschaffen wird und die Produzenten für die Rüstungsindustrie öffentlich angeprangert werden. Hierzu werden ich und andere vor allem den Protest auf der Straße organisieren und den Betroffenen in ihren Kämpfen unterstützen, um den Herrschenden ordentlich Druck zu machen. Außerdem muss der ÖPNV verbessert und vor allem billiger, wenn nicht sogar kostenlos werden.


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