Zum Tod von Fidel Castro erklären Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch, Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE:

29. November 2016  Allgemein

Zum Tod von Fidel Castro erklären Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch, Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE:

Eine bessere Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung ist möglich! Das war die feste Überzeugung von Fidel Castro. Viele junge Menschen sind in den 1960er Jahren vom Enthusiasmus der kubanischen Revolution inspiriert worden, gerade in ihrer Auseinandersetzung mit dem übermächtigen US-Imperium.

Die kubanische Revolution befreite Kuba von einer blutigen Diktatur unter Fulgencio Batista, die über 30.000 Menschen getötet hatte. Kuba war zuvor ein Ort, an dem die US-Mafia ein- und ausging. Großgrundbesitz, oft in Händen von US-Amerikanern, beutete die Landarbeiter maßlos aus. Schwarze waren einem System des Rassismus unterworfen. Nie bekam die Landbevölkerung einen Arzt zu sehen und die Rate der Analphabeten überstieg die 70 Prozent.

Es gehört zur großen Leistung von Fidel und der kubanischen Revolution, Bildung und Gesundheit kostenlos für die gesamte Bevölkerung bereitzustellen. Trotz aller Krisen, insbesondere nach dem Zusammenbruch des realen Sozialismus, konnte Kuba das kostenlose Bildungs- und Gesundheitssystem aufrechterhalten und verbessern – und dies zu einem Zeitpunkt, als in ganz Lateinamerika unter dem Druck des Neoliberalismus die Bereiche Bildung und Gesundheit privatisiert und große Teile der Bevölkerung dieser Länder ausgeschlossen wurden.

Fidel hatte die Vision eines Kuba, das ökonomisch unabhängig und sich rasch nach eigenen Maßstäben und Bedürfnissen entwickeln kann. Viele dieser Pläne konnten nicht eingelöst werden.

Dennoch bleibt es richtig: Emanzipation und Befreiung der Menschen hat die unabdingbare Voraussetzung, sich von der Kontrolle durch imperialistische Großmächte zu befreien. Selbst Fidels Gegner mussten seine standhafte Haltung gegenüber der mächtigen USA anerkennen. Auch wenn Kuba viel Spielraum durch seine enge Anlehnung an die Sowjetunion verlor.

Danielle Mitterand, Frau des früheren französischen Präsidenten sagte über ihn: „Aus diesem Mann macht man einen Teufel. Dabei ist er durch und durch ein Demokrat, der sein Volk liebt und sein Volk liebt ihn (zitiert in: Neues Deutschland 6.5.1996) Gemeinsam mit den Menschen in Kuba, Lateinamerika und überall dort, wo die kubanische Befreiungsbewegung einen emotionalen Wert besitzt, gedenken wir nicht unkritisch der großen Leistung dieses Revolutionärs.

Aus aktuellem Anlass,DIE LINKE: Gemeinsamer Aufruf zur Annahme des Berliner Koalitionsvertrages

29. November 2016  Allgemein

5. November 2016 Katja Kipping, Bernd Riexinger, Sahra Wagenknecht, Dietmar Bartsch

Gemeinsamer Aufruf zur Annahme des Berliner Koalitionsvertrages

Die Vorsitzenden der Partei DIE LINKE, Katja Kipping und Bernd Riexinger, und die Vorsitzenden der Fraktion DIE LINKE. im Deutschen Bundestag, Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch, erklären:

Wir empfehlen unseren Berliner Genossinnen und Genossen, dem Entwurf des Koalitionsvertrags zwischen SPD, LINKE und Bündnis90/Grüne zuzustimmen.

Der Koalitionsvertrag eröffnet für DIE LINKE die Chance auf Einhaltung ihrer zentralen Anforderungen in Bezug auf Regierungsbeteiligungen: Kein Sozialabbau, keine Privatisierungen und keinen Personalabbau im Öffentlichen Dienst. Darüber hinaus gibt es eine Perspektive für ein sozialeres Berlin. In der Regierungspolitik muss sich zeigen, dass es kein Weiter-So gibt, sondern dass Berlin Kurs nimmt auf eine sozial gerechte Stadt und landespolitische Impulse für eine Wiederherstellung des Sozialstaats insgesamt gibt.

Sicher, bei einem Vergleich zwischen unserem Wahlprogramm und dem Koalitionsvertrag bleiben Wünsche offen und Defizite bestehen. Der Koalitionsvertrag eröffnet aber auch die Chance für einen sozialen Politikwechsel in der Stadt Berlin. Das wären konkret:

Armutsbekämpfung

Die Berliner Koalition ist entschlossen, alle Mittel, die dem Land Berlin zur Verfügung stehen, gegen die grassierende Armut einzusetzen. Realistischer Weise können das nur Maßnahmen zur Abfederung und Dämpfung ihrer negativen Auswirkungen auf die soziale Teilhabe sein. Die zentralen Steuerungselemente liegen auf der Bundesebene. Hier will sich die Koalition dafür einsetzen, dass der Unterhaltsvorschuss und das Kindergeld nicht auf SGB II-Leistungen angerechnet werden.

Soziale Wohnungspolitik

Die bisherige Logik, dass einfach mehr gebaut werden müsse, um die Mietensituation zu entspannen, wurde durchbrochen. Entscheidend ist, wer was für wen baut. Es geht um sozialen Wohnungsbau, um Ankauf und Neubau von Wohnungen durch die städtischen Wohnungsgesellschaften und um sozial verträgliche Lösungen für Wohnungen, die aus der Sozialwohnungsbindung herausfallen. Die Koalition will erreichen, dass am Ende der Legislaturperiode 55.000 Wohnungen zusätzlich in Landesbesitz sind.

Soziale Schulpolitik

Wir wollen ein Bildungssystem, das allen Kindern unabhängig von ihrer sozialen Herkunft gleiche Bildungsmöglichkeiten eröffnet. Die „Gemeinschaftsschule“ ist die dafür optimale Schulform. Sie soll als Regelschule im Schulgesetz verankert werden, es soll mehr Gemeinschaftsschulen geben und sie sollen finanziell und personell stärker unterstützt werden.

Moderne Haushalts- und Investitionspolitik

Der haushaltspolitische Unsinn, die Hälfte der Überschüsse in die Schuldentilgung zu „investieren“, wurde überwunden. Berlin mit seinen massiven Investitionsrückständen benötigt reale Investitionen. Darüber hinaus hat sich die Koalition darauf verständigt, rechtliche Lösungen zu finden, um trotz der von uns abgelehnten „Schuldenbremse“ Investitionsmittel zu mobilisieren, ohne die Privatisierungsförderung durch so genannte Öffentlich-Private Partnerschaften zu nutzen.

Mehr öffentliche Sicherheit statt Kameras

Öffentliche Sicherheit zu gewährleisten ist eine der Pflichten des Gemeinwesens. Eine Stadt wird aber nicht dadurch sicherer, dass mehr Kameras installiert werden. Priorität hat die Stärkung sozialer Sicherheit und des sozialen Zusammenhalts. Durch die öffentliche Präsenz von Polizistinnen und Polizisten kann Sicherheit vergrößert werden. Daher will Berlin die 1000 unbesetzten Stellen bei der Polizei zügig besetzen und verstärkt ausbilden. Daraus sollen weitere 600 Stellen erwachsen. Die Arbeitsbedingungen bei Polizei und Feuerwehr sollen verbessert werden.

Damit aus einem Koalitionsvertrag fortschrittliche Politik wird, ist eine lebendige und kritische Partei gefragt, die die getroffenen Vereinbarungen einfordert und weiter Druck macht für eine soziale Stadt.

Dann kann ein sozialer Politikwechsel gelingen mit einer Regierungspolitik, die mit einem Weiter-so, organisiertem Staatsversagen und der Zerstörung sozialen Zusammenhalts bricht.

Der renomierte Armutsforscher Christoph Butterwegge wird Kandidat der LINKEN für das Amt des Bundespräsidenten

23. November 2016  Allgemein

Christoph Butterwegge kandidiert für DIE LINKE

Der Armutsforscher Christoph Butterwegge wird Kandidat der LINKEN für das Amt des Bundespräsidenten. Er ist ein prominenter Kritiker der Hartz IV-Reformen und der Agenda 2010, die er verantwortlich macht für das gestiegene Armutsrisiko und die derzeitige große soziale Kälte. Der parteilose Politologe aus Köln steht für eine gerechtere Welt, für den Kampf gegen Armut und Entdemokratisierung.

https://www.die-linke.de/die-linke/wahlen/bundespraesidentenwahl-2017/beweggruende/

DIE LINKE:Steinmeier ist nicht unser Kandidat

16. November 2016  Allgemein

»Steinmeier ist nicht unser Kandidat«

Nachricht von Sahra Wagenknecht, Dietmar Bartsch, 14. November 2016

Union und SPD haben sich auf Frank-Walter Steinmeier (SPD) als Kandidaten für das Bundespräsidentenamt geeinigt. Die Vorsitzenden der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag machten am Montag keinen Hehl daraus, dass sie den amtierenden Außenminister nicht für den geeigneten Kandidaten halten.

“Steinmeier ist nicht unser Kandidat”, erklärte Dietmar Bartsch in einem Interview mit dem Deutschlandfunk, noch bevor feststand, ob SPD-Kandidat Steinmeier auch mit der Unterstützung der Unionsfraktionen rechnen könne. Bartsch kritisierte insbesondere das Vorgehen der Sozialdemokraten: “Unser Vorschlag war, dass wir einen Mitte-Links-Kandidaten aufstellen. Dieser Vorschlag ist in dieser Form von den Sozialdemokraten nicht angenommen worden.” SPD-Parteichef Gabriel habe das torpediert, indem er seinen Kandidaten über die Medien verkündet und vorher nicht das Gespräch mit der LINKEN gesucht habe.

Sahra Wagenknecht sieht in dem Kandidaten Steinmeier keinen “Gewinn für eine sozialere Politik”: “Immerhin ist Steinmeier gerade deshalb der ideale Kandidat der Großen Koalition, weil er als Initiator der sozial verheerenden Agenda-Gesetze für die Zerstörung des Sozialstaates und die immer tiefere soziale Spaltung im Land steht, und damit genau die Politik verkörpert, die immer mehr Menschen an der Demokratie verzweifeln lässt.” Außerdem sei Steinmeier ein Befürworter von Interventionskriegen. Wagenknecht kündigte an, DIE LINKE werde einen eigenen Kandidaten zur Bundespräsidentenwahl aufstellen, “auch um zu verdeutlichen, dass es eine Alternative zu Sozialabbau und Kriegseinsätzen gibt”.

In Interview mit dem DLF sagte Bartsch außerdem: “Es ist ja wahrhaftig nicht so, wenn ein Kandidat Steinmeier da ist, dann ist er Bundespräsident. So einfach wird es dann auch nicht gehen. Es sind selbstbewusste Menschen, die in der Bundesversammlung sitzen, und wir haben vor allen Dingen dann den Blick auf Deutschland und Europa zu werfen und nicht zu allererst auf Parteipolitik.” Auch er sagte, es sei sehr wahrscheinlich, dass es einen LINKEN Kandidaten geben werde.

Anfang Juni hatte der amtierende Bundespräsident Joachim Gauck erklärt, er stehe aus Altersgründen nicht für eine zweite Amtszeit zur Verfügung. Gauck hatte das Amt seit 2012 inne und war als gemeinsamer Kandidat von Union, FDP, SPD und Grünen gewählt worden. Der neue Bundespräsident wird am 12. Februar 2017 von der Bundesversammlung gewählt.

DIE LINKE. KV Ortenau Info: Neue Ausgabe von Frauen & Genderpolitik 1.November 2016

02. November 2016  Allgemein

Liebe Frauen,

trübe und grau umfängt uns der Herbst und auch gleichstellungspolitisch sind die Aussichten alles andere als rosig. Auf eine umfassende Gleichstellung mit den Männern können wir noch 170 Jahre warten, berichtet eine neue Studie, und im Alter erwartet viele Frauen in Deutschland Armut. Trotzdem lassen wir uns nicht entmutigen und bereiten uns darauf vor, viele Wählerinnen 2017 von unseren politischen Angeboten zu überzeugen.
Eure Redaktion

Judith Benda, Janina Bloch

Aktuelles:
25. November ist internationaler Gedenktag “NEIN zu Gewalt an Frauen!”

Auch in diesem Jahr ruft TERRES DES FEMMES dazu auf, am 25. November mit der Fahne “frei leben – ohne Gewalt” ein sichtbares Zeichen gegen tägliche Gewalt an Mädchen und Frauen zu setzen. Schwerpunkt der diesjährigen Kampagne ist die Forderung nach einer auskömmlichen und nachhaltigen Finanzierung von Schutzräumen für von Gewalt betroffene Frauen. Ein Flyer findet sich hier. Die Linksfraktion im Deutschen Bundestag hat schon im Frühjahr 2016 den Antrag “Rechtsanspruch auf Schutz und Hilfe für von Gewalt betroffene Frauen – Bundeseinheitliche Finanzierung voranbringen” ins Parlament eingebracht.
Frauenbündnis gegen Altersarmut

Der deutsche Frauenrat hat gemeinsam mit mehreren seiner Mitgliedsorganisationen und dem Deutschen Gewerkschaftsbund eine Kampagne gegen die steigende Altersarmut von Frauen in Deutschland gestartet. Obwohl viele Frauen sowohl erwerbstätig waren als auch die Sorgearbeit übernahmen, kann eine steigende Zahl von Frauen heute nicht mehr darauf hoffen im Alter finanziell abgesichert zu sein. Um auch Frauen ein Alter in Würde zu garantieren, bedarf es grundlegender Veränderungen der aktuellen Rentenpolitik. Aufruf und Forderungen der Kampagne finden sich hier.

Weltweite Gleichstellung erst in 170 Jahren

Alljährlich veröffentlicht das Weltwirtschaftsforum den Gender Gap Report. In diesem Jahr vergleicht der Report die Angaben von 144 Staaten. Während bei der Gesundheitsversorgung und im Bildungsbereich leichte Verbesserungen für Frauen festgestellt wurden, sind die größten Unterschiede zwischen Männern und Frauen in den Bereichen “wirtschaftliche Situation” und “politische Teilhabe” zu konstatieren. Im weltweiten Gleichstellungsranking belegt Deutschland den 13. Platz.

Aus der Partei
Ausschreibung des Clara-Zetkin-Frauenpreis 2017

DIE LINKE lobt anlässlich des Frauentages 2017 zum siebten Mal einen Preis aus, mit dem herausragende Leistungen von Frauen in Gesellschaft und Politik gewürdigt werden. Mit dem Preis wird ein aktuelles Projekt oder eine Initiative einer Frau (oder Frauengruppe) ausgezeichnet. Es können sich Fraueninitiativen oder Projekte für den Frauenpreis selbst bewerben oder vorgeschlagen werden, die im Sinne folgender Inhalte und Kriterien wirken: Engagement/Arbeit für Frauen oder die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Gesellschaft, hier auch besonders in Politik, Wissenschaft, Kultur und Kunst; Frauen, die mit ihrem kulturellen oder künstlerischen Schaffen eine solidarische und gerechtere Gesellschaft befördern sowie anderen Frauen als Vorbild dienen. Einsendeschluss ist der 15. Januar 2017.

Lisa Bundestreffen

Am 26. und 27. November trifft sich die Bundesarbeitsgemeinschaft Lisa in Frankfurt am Main zum jährlichen Mitgliedertreffen. Im Mittelpunkt der Beratung steht die Wohnungssituation von Frauen in Deutschland und die Auseinandersetzung mit queerfeministischen Politikansätzen. Beraten werden sollen auch die Schwerpunkte der BAG im Bundestagswahljahr und gewählt werden die Sprecherinnen der Arbeitsgemeinschaft.

Bericht aus der Feministischen Offensive

Das letzte Treffen der Feministischen Offensive war das erste nach der Wahl des neuen Parteivorstandes auf dem vergangenen Parteitag im Mai. Für Feministische Politik sind im neu gewählten Parteivorstand Caren Lay, Nina Eumann, Judith Benda, Claudia Sprengel und Anja Mayer zuständig. Zu Gast war zum ersten Tagesordnungspunkt Rolf Kohn von der BAG Selbstbestimmte Behindertenpolitik. Wir haben die Idee einer gemeinsamen Veranstaltung verschiedener BAGen unter dem Arbeitstitel “Werkstatt für ein Gutes Leben – Denn das muss drin sein!” in NRW diskutiert. Die Feministische Offensive möchte bei der Planung der Veranstaltung mitwirken. Diese soll voraussichtlich nach der Bundestagswahl im Herbst 2017 stattfinden. Den Schwerpunkt des Treffens machte die Diskussion um eine bundesweite Frauenstruktur aus. Die Ergebnisse könnt ihr hier im Newsletter nachlesen. Zudem haben wir uns zur Ausschreibung des Clara-Zetkin-Preises 2017 und Aktivitäten zum “Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen” verständigt. Weitere Informationen zur Zusammensetzung und Arbeit der Feministischen Offensive gibt es hier.

Neue Frauenstruktur in der LINKEN?

Die Bundesfrauenkonferenz 2016 beauftragte die Feministische Offensive (ein Arbeitszusammenhang von Frauen aus dem Parteivorstand, von LISA, von Vertreter_innen der Fraktion und der Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie von Mitarbeiter_innen aus der Bundesgeschäftsstelle) damit, einen Vorschlag für eine bundesweite Frauenstruktur zur Diskussion zu stellen. Den Beschluss findet ihr hier. Bereits 2011 gab es den Versuch, eine verbindliche Frauenstruktur – einen linken Frauenrat – in der LINKEN zu verankern. Dieser erreichte zwar über 60 Prozent bei den Parteitagsdelegierten, scheiterte aber an der nötigen Zweidrittel-Mehrheit. Der damalige Vorschlag ist hier zu finden.

In der Feministischen Offensive wurden nun zwei Modelle diskutiert: Erstens, eine Wiederauflage des Modells “Linker Frauenrat” und zweitens, die Einführung einer Frauenstruktur analog zum Jugendverband, in der alle Frauen der LINKEN automatisch passives Mitglied sind, ihre Mitgliedschaft allerdings aktivieren müssen. Die Aufgabe der Frauen* in der Partei ist es nun zu überlegen, wie wir weiter mit der Idee einer Frauenstruktur der Partei umgehen wollen. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass es nötig ist, Kräfte zu bündeln und ein Koordinierungsorgan für die Frauen in der Partei zu schaffen. Damit dies gelingt, ist es besonders wichtig, eine breite Beteiligung an dem Prozess der Ausarbeitung des Vorschlages zu ermöglichen.

Wir laden daher alle Interessierten ein, sich an der Debatte zu beteiligen und uns Feedback zu geben, welche Vorstellung sie von einer linken Frauenstruktur haben. Es hat sich beim letzten Treffen der feministischen Offensive eine kleine Gruppe gegründet, die sich weiterhin mit der Problematik auseinandersetzen wird und euch auf dem Laufenden hält. Bei Fragen und Anregungen könnt ihr euch gerne per Mail an mich wenden.

Claudia Sprengel (Parteivorstand/ feministische Offensive)

Internationales

Festnahme der Bürgermeisterin von Diyarbakir
Festnahme der Bürgermeisterin von Diyarbakir

Ende Oktober wurden die beiden Co-Bürgermeister von Diyarbakir, Gültan Kışanak und Fırat Anlı, festgenommen. Beide waren bei den Kommunalwahlen 2014 mit knapp 55 Prozent gewählt worden. Obwohl nicht im türkischen Recht verankert, hatte die Partei für Frieden und Demokratie (BDP) – die Vorgängerpartei der HDP (Demokratische Partei der Völker) – für die Kommunalwahlen angekündigt, dass sie die Kommunen, in denen sie gewählt wird, im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit mit einer Frau und einem Mann an der Spitze leiten werden. Dieses Vorhaben wurde dann in den 97 Kommunen, in denen die BDP als stärkste Kraft aus der Wahl hervor ging, auch umgesetzt. Kışanak ist eine Symbolfigur auch für die kurdische Frauenbewegung. Mit 19 Jahren saß sie nach dem Militärputsch 1980 zwei Jahre im Gefängnis, davon über Monate zusammen mit dem Schäferhund des Gefängnisleiters in einem Hundezwinger eingesperrt. Diese Erfahrungen haben sie nicht davon abgehalten, sich politisch zu engagieren. Eine Erklärung von Martina Michels, MdEP, zu den Festnahmen findet sich hier.
Nadia Murat – Sonderbotschafterin für Opfer des Menschenhandels

Die jesidische Menschenrechtsaktivistin war im August 2014 vom IS entführt und mehrere Monate in Mossul gefangen gehalten worden. Sie wurde gefoltert, misshandelt und vergewaltigt. Bei dem Angriff auf ihr Dorf verlor sie ihre Mutter und sechs Brüder. Nach ihrer Flucht kam sie im März 2015 nach Deutschland. Seitdem setzt sie sich für die Befreiung jesidischer Gefangener ein. Für ihr Engagement wurde sie nun mit dem Europäischen Menschenrechtspreis ausgezeichnet. Die Vereinten Nationen ernannten sie zur Sonderbotschafterin für Opfer des Menschenhandels. Mehr zu Nadia Murad und ihrer Initiative gibt es auf ihrer Webseite (Englisch). Die Initiative aus Baden-Württemberg zur Aufnahme jesidischer Flüchtlinge ist zu begrüßen, doch gibt es noch zahlreiche Hürden: die faktische Aussetzung des Familiennachzugs zum Beispiel, auch sitzen noch immer zahlreiche jesidische Geflüchtete in Griechenland fest. Der Zentralrat der Jesiden in Deutschland sammelt Spenden für die Jesiden im Shingal.

Tipps und Termine

Termine

21. November 2016, ab 9.30 Uhr, 14. Fachtag – Sexuelle Orientierung & Geschlechtliche Identitäten, Fachhochschule Lübeck. Mehr

24. November 2016, 15 Uhr, Reisewege mutiger Frauen, Diskussion/Vortrag, Helle Panke Berlin, Berlin. Mehr

25. November 2016, 19 Uhr, Marxismus – Feminismus bei Frigga Haug, Diskussion/Vortrag, P20, Arnstadt. Mehr

26./27. November 2016, Bundestreffen der AG Lisa, Frankfurt a.M. Mehr

28. November 2016, 18.30 Uhr, “Rosa Luxemburg und die Kunst der Politik”, Lesung/Gespräch, Vor-Ort-Büro-Hansaplatz, Hamburg. Mehr

16. Dezember 2016, Frauenplenum des EL Kongresses, BCC Berlin. Mehr

Impressum

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Leben um zu arbeiten oder arbeiten um zu leben?

26. Oktober 2016  Allgemein
Die deutsche Wirtschaft freut sich, denn 2016 wird endlich mal wieder das Jahr, in dem “wir” wieder den Exportweltmeistertitel erhalten. Es wird prognostiziert, dass die deutsche Wirtschaft einen Leistungsbillanzüberschuss von 310 Milliarden € erwirtschaftet. Geld, welches aus anderen Ländern nach Deutschland fließt, dort also fehlt und Schulden aufgenommen werden müssen.
Wie aber wird dieser “tolle” Erfolg erreicht?
Einerseits durch den immer niedrigeren Euro/Dollar Kurs, andererseits durch die billigen Arbeitskosten und aber auch, weil Millionen von Arbeiter*innen dieses Jahr 1,8 MILLIARDEN Überstunden geleistet haben. Davon 997 Millionen UNBEZAHLT!!!!
Die Zahl derer, die pro Woche mehr als 48 Stunden arbeiten, ist in den letzten 20 Jahren um 30 Prozent gestiegen. 1995 hatten 1,3 Millionen Beschäftigte überlange Arbeitszeiten, 2015 waren es 1,7 Millionen.
Und das alles während ca. 3,6 Millionen Menschen ohne Lohnarbeit sind. Wir sehen Arbeit ist genug da, sie muss nur ordentlich verteilt werden und besser bezahlt. Denn die Zahl der Leiharbeiter z.B. hat mittlerweile fast die 1 Millionen Grenze erreicht. Davon verdienen zwei Drittel weniger als 1973€ Brutto. Mal abgesehen davon, dass sie jeden Tag gekündigt werden können.
Für die Rentner bleibt ebenfalls nichts vom Weltmeistertitel übrig, hier müssen mittlerweile 1 Millionen von ihnen ihre Rente mit einem Minijob aufbessern. Das sind 22% mehr als 2010. Dazu kommt, dass 5,6 Millionen der über 55-Jährigen von Armut bedroht sind. 2006 waren das noch 4,5 Millionen.
Zur Erleichterung, nicht nur unseren Eltern geht es beschissen, nein auch um unsere Kinder, von denen 2,3 Millionen dauerhaft in Armut leben, steht es schlecht.
Wir sehen also, die Forderungen der Regierung nach längeren Arbeitszeiten im Alter und härteren Bestrafungen für angebliche faule Hartz4ler, bringt den Arbeiter*innen rein gar nichts. Die Arbeit muss gerecht verteilt werden, was Arbeitszeitverkürzungen zwingend notwendig macht. Die Arbeit muss ordentlich bezahlt werden, damit die Menschen wieder davon leben können. Und die Menschen dürfen nicht mehr einem Sanktionsregime ausgesetzt werden, welches sie dafür bestraft, dass man nicht jede Arbeit annehmen will.
Das alles bleibt aber in einer kapitalistischen Gesellschaft mehr Wunsch als Realität, da die Interessen der Kapitalisten dem diametral entgegen stehen. Deshalb sollten wir uns also lieber gleich für die Überwindung der Lohnarbeit und der kapitalistischen Verhältnisse einsetzen und die Devise wieder an vorderste Front setzen, jede/r nach ihren/seinen Fähigkeiten jedem nach seinen Bedürfnissen. Die Betriebe in Arbeiter*innenhand!

PM DIE LINKE. Ba.- Wue. Landesregierung greift den Kommunen in die Tasche

24. Oktober 2016  Allgemein

DIE LINKE Baden-Württemberg
Pressemitteilung, 24.10. 2016

Landesregierung greift Kommunen in die Tasche

„Die Kritik des Landkreistags an der grün-schwarzen Landesregierung ist berechtigt. Wer mehr investieren will in sozialen Wohnungsbau, Krankenhäuser, Inklusion, öffentlichen Nahverkehr, Kita-Plätze und Schulen, darf die Kommunen nicht finanziell austrocknen“, so Bernhard Strasdeit, Landesgeschäftsführer der LINKEN und Kreistagsmitglied in Tübingen, zum heute stattfindenden Landkreistag.

Selten waren die kommunalen Spitzenverbände in Baden-Württemberg so sauer auf eine Landesregierung. Mit Recht: Trotz mehr Steuereinnahmen und trotz zusätzlichen Zuschüssen vom Bund hält die Landesregierung an ihrem Sparkurs zu Lasten der Landkreise, Städte und Gemeinden fest. Auch für den mittelfristigen Abbau von Investitionslücken in Milliardenhöhe hat die Landesregierung keine Konzeption. Mit einer gerechten Erbschaftssteuer und einer Vermögenssteuer zu Lasten der Superreichen könnte das Problem gelöst werden. Aber Ministerpräsident Kretschmann und Sozialminister Lucha (Grüne) wollen ihre Klientel weiter schonen und plädieren deshalb für Schwarz-Grün im Bund. DIE LINKE unterstützt die Forderungen der Kommunalverbände gegen die neoliberale Haushaltspolitik der Landesregierung und tritt für einen „Rettungsschirm für Kommunen“ ein um die öffentliche Daseinsvorsorge langfristig zu sichern.

DIE LINKE. LV Baden-Württemberg
Landesgeschäftsstelle, Bernhard Strasdeit
Marienstr. 3a, 70178 Stuttgart
Tel: (0711) 24 10 45
Fax: (0711) 24 10 46
mobil: 0171 1268215
Mail: info@die-linke-bw.de
Internet: www.die-linke-bw.de

Das muss drin sein: Befristung und Leiharbeit stoppen. Existenzsichernde Mindestsicherung ohne Sanktionen statt Hartz IV. Arbeit umverteilen statt Dauerstress und Existenzangst. Wohnung und Energie bezahlbar machen. Mehr Personal für Bildung, Pflege und Gesundheit.

www.das-muss-drin-sein.de

Stellungsnahme von Sahra Wagenknecht zu:Streitgespräch mit Frauke Petry in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

12. Oktober 2016  Allgemein

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ist dieses Wochenende ein Streitgespräch zwischen Frauke Petry und mir erschienen. Seither echauffieren sich diverse Medien über angebliche Gemeinsamkeiten von Petry und mir, die in dem Interview deutlich würden. Spiegel Online etwa findet es skandalös, dass wir beide Merkel kritisieren und TTIP und CETA ablehnen. Zeit online missfällt, dass ich bei Petry Zustimmung ernte, als ich die EU als undemokratisch bezeichne, mich gegen die Rettung der Deutschen Bank auf Steuerzahlerkosten ausspreche und außerdem sage, dass Integration nur gelingen kann, wenn die Politik “die nötigen Voraussetzungen” schafft, also vor allem Wohnungen und Arbeitsplätze. Den Gipfel an Denunziation allerdings leistet sich die taz, die in einem Artikel unter der Überschrift “Rechtes Konsensgespräch” sogar in meiner Forderung, “Menschen in Not dort zu helfen, wo sich die meisten Notleidenden ohnehin befinden: in den Herkunftsländern und in den angrenzenden Regionen“ eine lupenreine AfD-Position wittert. Manchmal hat man wirklich das Gefühl, im falschen Film zu sitzen. Die Empfehlung dieser Journalisten an die Linke ist also offenbar: Merkel nicht mehr zu kritisieren, Junckers EU als demokratisches und soziales Projekt abzufeiern, sich für CETA und TTIP zu begeistern und sich außerdem um die hundserbärmliche soziale Situation in den Herkunftsländern der Flüchtlinge einen Dreck zu scheren. Also kurz gesagt: sich dem großen neoliberalen Konsens von CDU/CSU, SPD, FDP und Grünen anzuschließen und jeden, der diese unverantwortliche Politik nicht mittragen will, sich selbst oder der AfD zu überlassen. Klar, wer will, dass die Linke verschwindet und die AfD noch stärker wird, der mag das für eine tolle Idee halten. Ich möchte beides nicht, und ich finde auch nicht, dass wir nötig haben, die Auseinandersetzung mit der AfD zu scheuen: weder in der Flüchtlingspolitik noch in der Sozialpolitik oder auf anderen Gebieten. Es gibt da nämlich genau besehen überhaupt “keine Überschneidungen”, wie ich auch in der FAS klar mache. Denn: “Die AfD ist für einen schwachen Sozialstaat, niedrige Löhne und Renten, ein ungerechtes Steuersystem und ist nationalistisch und in Teilen rassistisch.” Diese Passage wie andere, in denen die Unterschiede deutlich werden, hat freilich keiner der Journalisten in ihren diffamierenden Artikeln zitiert. Aber macht euch selbst ein Bild.
http://www.sahra-wagenknecht.de/…/2432.streitgespr%C3%A4ch-…

DIE LINKE ist drittstärkste Kraft im Berliner Abgeordnetenhaus!

19. September 2016  Allgemein

THEMEN AUS PARTEI, POLITIK UND GESELLSCHAFT:

Vorläufiges Endergebnis: SPD gewinnt mit nur 21,6 Prozent in Berlin

(dpa) – Die SPD hat die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus trotz deutlicher Verluste gewonnen. Nach Auszählung aller Stimmen erzielte sie 21,6 Prozent. Die CDU fiel auf 17,6 Prozent und zieht als zweistärkste Kraft ins Parlament. An dritter Stelle liegt die Linke mit 15,6 Prozent, gefolgt von den Grünen mit 15,2, der AfD mit 14,2 Prozent und der FDP mit 6,7 Prozent.

Im neu gewählten Berliner Abgeordnetenhaus gibt es nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 160 Sitze. Das sind 11 mehr als bislang. Die SPD bekommt als größte Fraktion 38, die CDU kommt auf 31. Die Grünen und die Linke erhalten beide 27 Sitze. Die AfD erhält auf Anhieb 25. Die FDP, die nach fünf Jahren Pause wieder einzieht, bekommt 12 Sitze.

Linke erwarten Debatte über Spitzenkandidatur

(dpa) – Nach dem Erfolg der Linken bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl dürfte in der Partei auch die Debatte um die Spitzenkandidaten im Bund an Fahrt aufnehmen. Diese Erwartung wurde am Sonntagabend in Parteikreisen geäußert. Es war die letzte bundesweit wichtige Wahl vor dem Bundestagswahljahr 1917. Nach mehreren Wahlschlappen machte sich bei den Linken Erleichterung über das gute Berliner Ergebnis breit.

Mit Blick auf die Erfolgschancen im Bund sollten es 2017 hier auf jeden Fall weniger Spitzenkandidaten sein als 2013, hieß es. Damals war die Linke mit acht Spitzenkandidaten angetreten. Die rheinland-pfälzischen Linken waren nun vorgeprescht und sprachen sich bei einem Landesparteitag am Samstag in Kaiserslautern für die Fraktionschefs Wagenknecht und Bartsch als Doppelspitze aus. Auch den Parteichefs Kipping und Riexinger werden Ambitionen nachgesagt.

 

Bernd Riexinger: Kein Herz für Reiche und Rechte

14. September 2016  Allgemein

Kein Herz für Reiche und Rechte

Von Gastautor Bernd Riexinger
Datum: 14.09.2016
Warum nicht rot-rot-grün? Die parlamentarische Mehrheit in Berlin wäre da. Aber der Bundesvorsitzende der Linken ist eher genervt von der ewigen Frage nach einer Regierungsbeteiligung. In seinem Beitrag für Kontext fordert er mehr Kampfgeist gegen alles, was die Reichen noch reicher und Rechte noch stärker macht. Auch von der eigenen Partei.

Seit Katja Kipping und ich den Vorsitz der Linkspartei übernommen haben, gab es sicherlich kein einziges Interview, in dem nicht irgendwann diese eine Frage kam: “Wollen Sie regieren?” Egal ob als knifflige Suggestivfrage verpackt – “Sie wollen doch eigentlich gar nicht mitregieren?” – oder als drängendes Anliegen daherkommend – “Wann werden Sie endlich regierungsfähig?” –, stets schwingt in den Worten die Sicht mit: Eine Partei, die nicht regiert, hat nichts zu melden.

Diese Sicht ist mir zu eingeengt. Es ist extrem wichtig, dass es eine klare Oppositionspolitik im Bundestag gibt, die Alternativen aufzeigt, denn auch unsere Gesellschaft ist vielfältig. Der Parlamentarismus hat sich unter dem Dogma des Neoliberalismus seit den 80er-Jahren mehr und mehr von den Menschen entfernt – lebendige, soziale Demokratie aber braucht Bürgerinnen und Bürger, die sich aktiv in Gewerkschaften, Verbänden und Initiativen engagieren.

Ich behaupte, dass jede politische Partei den Anspruch hat, Demokratie, Wirtschaft und Gesellschaft zu gestalten. Das gilt selbstverständlich auch für meine Partei. Die Frage nach Regierungsbeteiligung darf aber nicht zur Selbstbeschäftigung werden. Eine Linke, die ihr Handeln machtpolitischem Kalkül unterordnet, schwächt sich und ihren Blick für die Herausforderungen, vor denen alle politischen Parteien stehen.

Die AfD hat ihren Aufstieg der herrschenden Politik zu verdanken

In Mecklenburg-Vorpommern hat rund jeder vierte Wähler mit seiner Stimme für AfD oder NPD seine Absage an das politische Establishment zum Ausdruck gebracht. Dass aber ausgerechnet eine Partei von der Unzufriedenheit mit den Verhältnissen profitiert, der die Bedürfnisse der Menschen nach sozialer Gerechtigkeit und einem guten Leben herzlich egal sind, ist nur verständlich, wenn man genauer hinsieht. Ihren rasanten Aufstieg hat die AfD vor allem der herrschenden Politik der letzten 20 Jahre zu verdanken: Der Wirtschaftsboom ist an der großen Mehrheit der Menschen in Deutschland einfach vorbeiregiert worden.

Die Ursache dafür, dass es überhaupt ein gesellschaftliches Klima geben konnte, in dem man den Höckes und Petrys plötzlich zuhört, ist das Ergebnis einer Politik, die aus selbstbewussten Kumpels erpressbare Leiharbeiter gemacht hat, die Niedriglöhner gegen Erwerbslose ausspielt, die soziale Spaltung befeuert und statt die sozialen Sicherungssysteme zukunftsfest zu machen, Menschen zu hoch flexibilisierten Individualisten trimmt, die allein verantwortlich für ihr Schicksal und ihr Scheitern sein sollen. Die Schere zwischen Arm und Reich ist größer als in vielen anderen Industriestaaten. Die Zahl der Superreichen und ihr Vermögen nehmen permanent zu. Auf der anderen Seite wachsen aber auch die Gruppe der Einkommens- und Vermögensschwächeren und die Gruppe, die von Armut bedroht ist.

SPD und Grüne sind schuld an der Malaise in der Arbeitswelt, sagt Bernd Riexinger.

SPD und Grüne haben in Regierungsverantwortung die Weichen für massenhafte Altersarmut gestellt, Niedriglohnjobs “salonfähig” gemacht und das Normalarbeitsverhältnis zum Abschuss freigegeben – prekäre Arbeit weitet sich aus und schafft für Millionen von Beschäftigten Dauerstress und Unsicherheit. Heute reichen selbst 45 Jahre ununterbrochener Arbeit in Vollzeit mit einem Bruttolohn von 2500 Euro gerade so für eine Rente knapp über der Armutsgrenze. Wer weniger als zwölf Euro brutto pro Stunde bekommt, landet trotz lebenslanger Arbeit spätestens bei Renteneintritt in Armut. Alleinerziehende und so genannte Solo-Selbstständige sind einem erheblichen Armutsrisiko ausgesetzt. Bereits heute wächst jedes siebte Kind in Deutschland in Armut auf.

Doch nicht alle Schichten wurden sozial derart entrechtet: Bei Großverdienern und Vermögenden schmeichelten sich SPD, Grüne und Union durch umfangreiche Steuergeschenke ein, die zulasten des Gemeinwohls und der Normalverdiener gehen. Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung konstatiert, dass das stetig sinkende Rentenniveau, der Ausbau von Leih- und Zeitarbeit und die Erhöhung der Mehrwertsteuer zulasten der unteren Mittelschicht gehen.

SPD und Kretschmann-Grüne haben ein Herz für reiche Firmenerben

Das Trauerspiel um die Reform der Erbschaftssteuer zeigt, dass auch SPD und Kretschmann-Grüne ein Herz für reiche Firmenerben haben. Die haushaltspolitisch kurzsichtige Schuldenbremse verhindert sinnvolle und wichtige Investitionen in die Zukunft. In Zeiten von Negativzinsen ist der Sparfetisch noch unsinniger. Marode Straßen und Brücken, geschlossene Schwimmbäder und Bibliotheken, unterfinanzierte Universitäten und überlastete öffentliche Verwaltungen sind Ausdruck unterlassener politischer Leistung zugunsten der Superreichen.

Zu sehen, wie Innenstädte verwahrlosen, kleine Geschäfte gesichtslosen Einkaufsmeilen weichen, das Gehalt kaum reicht, während die Miete jedes Jahr steigt – das macht viele Menschen wütend und enttäuscht. Sie erleben seit Jahren, dass sich nichts ändert – egal ob unter Schwarz-Gelb oder Rot-Grün, immer werden Regierungen gebildet, die die Renten kürzen, die Vermögenssteuern ablehnen, die undemokratische Freihandels-Deals wie TTIP und CETA schönreden. Die sogenannte Alternative für Deutschland missbraucht die Wut und die Ängste der Leute. Die AfD ist für alle Parteien eine Herausforderung, weil sie eine reaktionäre, fremdenfeindliche Partei ist, die sich zum parlamentarischen Arm der extremen Rechten entwickelt. Aber sie ist keine Protestpartei. Sie ist eine Partei, die Flüchtlinge zu Sündenböcken stempelt. Man protestiert nicht, indem man auf die Schwächsten eintritt, sondern indem man ernsthaft gegen die Verursacher der Politik protestiert. Das erfordert Mut. Den hat die Linke.

Wir nennen die Namen derjenigen, die von prekärer Arbeit, Armutslöhnen, steigenden Mieten und Pflegenotstand in den Krankenhäusern profitieren. Arme sterben früher – auch weil Reiche ihr Geld ins Ausland schaffen. Steueroasen müssen ausgetrocknet, die organisierte Steuerhinterziehung der Reichen und Konzerne bekämpft und der von den Arbeitenden produzierte Reichtum zurück umverteilt werden.

Eine radikale Umverteilung des Reichtum ist die Grundlage dafür, dass wir die drängenden gesellschaftlichen Probleme lösen können: die Armut bekämpfen, in gute Gesundheitsversorgung, Bildung und bezahlbare Wohnungen für alle investieren, den ökologischen Umbau der Wirtschaft und die erneuerbare Energiewende voranbringen, Integration sozial gerecht gestalten und Fluchtursachen bekämpfen können. Wir wollen Renten, von denen es sich im Alter gut leben lässt. Das Rentenniveau muss dafür zurück auf mindestens 53 Prozent. Gegen die drohende Altersarmut braucht es eine solidarische Bürgerversicherung, in die alle einzahlen, und eine einkommens- und vermögensgeprüfte solidarische Mindestrente in Höhe von 1050 Euro netto.

Frieden und soziale Gerechtigkeit sind die zwei zentralen Punkte der Linken.

Wir brauchen eine Politik, die Armut beseitigt, Teilhabe gewährleistet, gute Renten, gute Gesundheitsversorgung und Pflege, gleichen Zugang zu Bildung und bezahlbares Wohnen für alle schafft. Dies sind die sozialen Garantien des Lebens, die eine soziale Demokratie auszeichnen. Sie sind für uns nicht verhandelbar, aber sie müssen gemeinsam erkämpft werden. Sicherheit geht nicht ohne Frieden. Wir sind und bleiben die Friedenspartei. Die Linke steht auf zwei Beinen – soziale Gerechtigkeit und Frieden. Wenn man eins abschlägt, stehen wir nicht mehr mit beiden Füßen auf dem Boden. Ein linkes Regierungsprogramm hätte diese Dinge zur Grundlage.

Die Bundesregierung betreibt das Geschäft der rechten Hetzer

Die Bundesregierung betreibt seit Monaten das Geschäft der rechten Hetzer, indem sie eine AfD-Forderung nach der anderen umsetzt. So wurden binnen eines Jahres die krassesten Asylrechtsverschärfungen seit den 1990er-Jahren mit den Stimmen der SPD beschlossen. Dass die CSU der AfD begeistert hinterhermarschiert und so die CDU nach rechts treibt, zeigt einmal mehr, dass gesellschaftlicher Druck zentral für politische Veränderung ist. Dieser Druck darf jedoch nicht von rechts kommen!

Auch die Linke hat es versäumt, als soziale Stimme bei den Geringverdienern, den Erwerbslosen und der abstiegsgeängstigten Mitte Gehör zu finden. Der französische Soziologe Didier Eribon geht in seinem Werk “Rückkehr nach Reims” der Frage nach, warum ein Teil der Arbeiterklasse in Frankreich von der Linken zum rechtsextremen Front National übergelaufen ist. Er sieht unter anderem “die fehlende Mobilisierung als Gruppe, beziehungsweise die fehlende Selbstwahrnehmung als solidarisch-mobilisierbare Gruppe” als Ursache dafür, “dass rassistische Kategorien die sozialen ersetzen”.

Hierauf muss die Linke ihr Augenmerk richten: Der vermeintlichen Alternativlosigkeit der Großen Koalition und dem rechten “Gesellschaftsentwurf” der Ausgrenzung und Verrohung setzen wir eine solidarische Gesellschaft entgegen. Neben dem politischen Willen in den Parteien – also einem grundlegenden Kurswechsel bei SPD und Grünen – braucht es vor allem gesellschaftliche Mehrheiten für gemeinsame Projekte und die Macht, durch gemeinsame Mobilisierung mit Gewerkschaften und sozialen Bewegungen zentrale Projekte auch gegen massiven Widerstand der Superreichen durchsetzen zu können.

Schaut genau hin, ob SPD und Grüne den Kurs wechseln: Bernd Riexinger.

Dabei ist die Umverteilung des Reichtums der Knackpunkt: Wenn die Menschen nur die Erfahrung machen, dass der zu verteilende “Kuchen” gleich bleibt, werden Konkurrenz und Entsolidarisierung gefördert, werden Verteilungskämpfe über Spaltungen und Rassismus ausgetragen. Dem setzen wir den Verteilungskampf gegen die Superreichen und Profiteure von Armut und Ungerechtigkeit entgegen.

Wir wollen parteiübergreifend daran arbeiten, dass ein gesellschaftliches Lager entsteht, das eine Kampfansage an die Bereicherung des einen Prozents ist und zugleich ein Bollwerk gegen Rassismus und Nationalismus bildet. Erst danach stellt sich die Frage nach der Regierungsbeteiligung, die sich zwangsläufig über Inhalte ergibt. Es braucht ein glaubhaftes und zukunftsfähiges Reformprogramm mit klarem Kurs auf soziale Gerechtigkeit, hinter dem sich eine gesellschaftliche Mehrheit versammelt.

Die SPD hätte die Unterstützung der Linken

Im aktuellen Bundestag gibt es seit 2013 eine rot-rot-grüne Mehrheit. Auch in der Länderkammer, dem Bundesrat, könnten SPD, Grüne und Linke vieles bewegen. Die SPD könnte das letzte Jahr vor den Bundestagswahlen zu nutzen, um Gesetze einzubringen: Mit den Stimmen der drei Parteien ließe sich der Mindestlohn deutlich erhöhen und die Vermögenssteuer wiederbeleben. Die Rentenkürzungen könnten zurückgenommen und die milliardenschweren Steuermehreinnahmen für Investitionen genutzt werden – beispielsweise, um den Pflegenotstand in Krankenhäusern endlich zu beheben. Leiharbeit könnte – statt wie jetzt unter dem Druck der Union und ihrer Klientel, den Arbeitgebern – ordentlich geregelt werden, um Beschäftigte zu schützen, statt Belegschaften zu spalten. Die unverschämte Verschonung reicher Firmenerben könnte mit der vorhandenen Mehrheit im Bundesrat ein für alle Mal abgeschafft werden.

Die SPD könnte sich aus der Umklammerung der Union befreien und eine mutige soziale Politik machen – hin zu mehr sozialer Gerechtigkeit. Die Unterstützung der Linken hätte sie zweifelsohne. Die Frage nach der Regierungsbeteiligung ist und bleibt eben mehr als eine arithmetische Frage. Es muss etwas dabei rauskommen – und zwar für möglichst viele Menschen in Deutschland.

 

Bernd Riexinger (60) ist Bundesvorsitzender der Linken seit 2012. Vorher war er Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Stuttgart.

 

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